• Shey

Betta Splendens: Infoblatt zur Haltung von Hochzuchten

Aktualisiert: 27. Sept 2019

Was die Haltung betrifft, gibt es viele Meinungen. Die Mehrheit der Halter und Züchter (und so auch ich), ist aber davon überzeugt, dass die Hochzuchten in Einzelhaltung gehören. Es gibt Ausnahmen (wie etwa eine Weibchen-WG), aber dafür braucht es viel Erfahrung und ein gutes Auge für Makroverhalten. Daher ist die Einzelhaltung die primäre Empfehlung, besonders für Anfänger. Meine Erfahrung bezüglich WG-Haltung wird in einem gesonderten Beitrag bald erläutert. Ich habe die Tiere schon in vielen Variationen und Beckengrößen gehalten. Alles, was ich im folgenden empfehle, sind die Dinge, die ich als “idiotensicher” empfinde. Dazu gibt es dann noch ein paar Zusatzinformationen, die man wissen sollte, wenn man vorhat, diese Tiere zu halten.


Grundwissen


Formenkreis: Kampffische gehören wie auch Makropoden und Fadenfische zu den Labyrinthfischen. Sie heißen so, weil sie ein zusätzliches Organ besitzen (dass labyrinthartig aufgebaut ist) und die Funktion einer Lunge übernimmt. Sie sind damit in der Lage in stillen, sauerstoffarmen Gewässern zu überleben, da sie athmosphärische Luft atmen. Der Sauerstoffgehalt im Wasser ist somit nicht besonders wichtig für sie und ihre Aquarien können so auch problemlos ohne Filter betrieben werden. Unter den Labyrinthfischen gibt es Maulbrüter und Schaumnestbauer. Der Betta splendens gehört zu letzteren, was ebenfalls eine Adaption an stille Gewässer ist. Dies ist auch einer der Gründe, warum Strömung für diese Arten nicht geeignet ist (gleiches gilt für die anderen genannten Fische). Die Oberflächenbewegung würde die Nester zerstören.


Artennamen: In der biologischen Systematik bestehen die Namen immer aus zwei bis drei Teilen. Der erste Name “Betta” entspricht der Gattung des Fisches. Alle Fische unter diesem Namen werden allgemein als “Kampffische” bezeichnet. Hier gibt es aber große Unterschiede, sodass man die Arten immer gesonders nennen und diskutieren sollte. Das Artepithel ist in diesem Fall “splendens”. Diese Art ist ursprünglich ein kurzflossiger Fisch mit schwarzem Körper und rötlich/blauen Flossen. Da die Hochzuchten mit der Wildform nicht mehr viel gemein haben, sollte man das Wort “Hochzucht” immer dazu sagen. Andere Kampffische haben andere Artepithele wie Betta smaragdina, Betta coccina, Betta channoides etc. Alles, was keine Hochzucht ist, wird gemeinhin als “Wildform” bezeichnet. Wenn die genaue Unterart unbekannt ist, wird der Name idR mit Betta sp. beschrieben.


Herkunft: Die Fische kommen ursprünglich aus Südostasien, wo sie wie bereits erwähnt an sauerstoffarme, flache und stille Gewässer angepasst waren. Da die Kampffische schon vor hunderten Jahren gefischt und für Kämpfe eingesetzt und weitergezüchtet wurden, welche nachher auch z.T. wieder ausgesetzt wurden (Ausschussfische), ist die ursprüngliche Wildform heute nicht mehr oft zu finden. Sogar gewollte Hybriden sind mittlerweile oft zu finden bzw. werden kommerziell angeboten. Wildformen sind idR ruhiger und sozialer als die heutigen Hochzuchten, da in ihnen keine “Fighter”-Gene stecken (welche später herausgezüchtet wurden).


Flossenformen: Bei den Hochzuchten gibt es viele verschiedene Flossenformen, die durch selektive Zucht entstanden sind. Die genauen Bezeichnungen findet ihr in der Datei “Flossenformen und Abkürzungen”. Zu beachten ist, dass nicht alle diese Zuchten unterstützt werden sollten. Fische mit zu viel Flossengewebe und generell zu großen Flossen neigen dazu krank zu werden. Dadurch, dass sie schlechter schwimmen können und sie mehr Energie verbrauchen, ist ihr Immunsystem geschwächt und sie somit anfälliger für Infektionen. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Flossenbeißen sind fast ausschließlich bei Langflossern zu finden. Auch wenn sie schön sind, empfehle ich Kurzflosser vorzuziehen. Diese sind agiler und idr langlebiger.



Crowntail (Marble)


Hochzuchten im Aquarium


Größe des Aquariums: Da die Fische wesentlich aggressiver, revierbezogener und im Zuge dessen auch leichter zu stressen sind, sollten Hochzuchten in der Regel einzeln in Aquarien mit 20-60L gehalten werden. Die Größe des Aquariums sollte sich im Idealfall nach Größe des Fisches, Flossenform und Charakter richten. Während langflossige Exemplare oftmals schwimmfaul und mit 20L zufrieden sind, können Giants oder auch andere Kurzflosser durchaus größere Becken ausnutzen. Prinzipiell wird 30L immer als gutes Mittelmaß empfohlen. Im Zweifelsfall bietet es sich an ein größeres Becken zu wählen, da man dann immer noch die Möglichkeit hätte das Wasservolumen zu senken (durch größere Inneneinrichtung oder Senkung des Wasserspiegels). Kurzflosser und agile Langflosser können bei der richtigen Einrichtung auch problemlos in 54L Becken leben. Meiner Erfahrung nach sind größere Becken einfacher zu pflegen und stabiler bei den Wasserwerten, daher liegt meine Empfehlung bei 54L, evtl. mit Trennscheibe. Fische, die in großen Becken überfordert sind, neigen dazu sich die Flossen abzubeißen. Beim Kauf von Langflossern, besonders im Zooladen, ist also Vorsicht geboten. Deutsche Nachzuchten zeigen solches Verhalten seltener, kann aber trotzdem passieren. Sollten mehrere Becken nebeneinander gestellt werden, so sollte immer ein Sichtschutz dazwischen sein (z.B. laminiertes Papier), damit die Tiere sich nicht ständig gegenseitig anposen. Solche Sichttrenner können dann gezielt entfernt werden, um das Spiegeltraining zu ersetzen. (Spiegeltraining ist dazu gut, die Duchblutung der Flossen zu unterstützen und außerdem für etwas Interaktion zu sorgen).

54L-Aquarium, welches sehr gut für eine Hochzucht geeignet wäre

Technik: Da Kampffische tropische Fische sind, sollte eine Temperatur von 24-28°C herrschen (der ideale Bereich liegt bei 25/26°C). Mit einem Regelheizer kann man diese flexibel einstellen. Zur Kontrolle sollte ein Thermometer ins Aquarium gehangen werden.


Info: Je höher die Temperatur, desto höher ist der Metabolismus des Tieres. Ist die Temperatur zu gering, können die Fische schnell krank werden, da ihr Immunsystem leidet.

Ob man das Aquarium filtern möchte oder nicht, ist eine Glaubensfrage. Der Vorteil des Filters ist, dass er Nährboden für hilfreiche Bakterien bietet. Wenn man Bodengrund verwendet, setzen diese sich aber auch dort ab. Wenn ein Filter benutzt wird, muss allerdings beachtet werden, dass keine Strömung herrschen darf. Außerdem ist zu erwähnen, dass viele Filter gefährlich für Kampffische sein können, da diese sich gerne ablegen und mit den Flossen hängen bleiben oder stecken bleiben können. Filter wie der Dennerle Eckfilter und normale Schwammfilter mit Rohr sind dafür bekannt, dass Kampffische sich darin/dahinter verklemmt haben und starben (beim Dennerle Eckfilter sind in der OVP allerdings zwei Filterschwammstücke enthalten, die den Sinn haben diese Lücke zu stopfen, müssen also oben und unten in den Schlitz gesteckt werden, um ihn zu sichern. Leider wird das oft nicht gemacht). Ich empfehle daher Rucksackfilter oder Standschwammfilter (ohne Rohr). Als Beleuchtung empfehle ich LED, da sie stromsparend und auch für Pflanzen gut geeignet sind. Für kleine Aquarien gibt es ein breites Angebot an Aufsteck- bzw. Aufsatzleuchten. Ich persönlich bin mit den günstigen LED-Balken-Aufsatzleuchten von Amazon immer sehr zufrieden gewesen.


Einrichtung: Für den Bodengrund ist eigentlich alles geeignet, was natürlich ist. Ich persönlich rate von gefärbten Kies ab (da diese, wenn billig produziert, Farbe abreiben können) und empfehle Naturkies oder Sand. In einigen Foren ist man der Meinung, dass heller Sand nicht geeignet ist, weil es den Fisch blendet. Solange man genügend Pflanzen einsetzt, sodass das Licht von oben gedämpft wird, ist den Fischen der Boden egal. Beim Thema Pflanzen ist ebenfalls alles erlaubt, was gefällt. Man sollte bei der Auswahl nur beachten, ob die Pflanze für Nanobecken geeignet ist (also nicht zu groß wird). Unkomplizierte, gut wachsende Pflanzen sind zum Beispiel Vallisnerien, Cryptocorynen, Anubien, Javafarn, Alternatheria, Hygrophilia etc... Für Kampffische eignen sich auch Schwimmpflanzen gut wie Muschelblumen, Büschelfarn oder Froschbiss. Wovon ich abrate, sind Wasserlinsen. Die Blätter sind sehr klein und können von den Kampffischen gefressen werden. Für sie als Fleischfresser ist pflanzliche Kost nicht geeignet. Im schlimmsten Fall führt das zu Verstopfungen. Davon abgesehen ist das Zeug die reinste Pest. Ein mal im Becken ist es fast unmöglich sie loszuwerden. Ebenfalls für die Einrichtung eignen sich natürliche Materialen wie Wuzeln und Steine. Bei Steinen sollte nur darauf geachtet werden, dass sie nicht aus Salzwasser stammen (da sie Salze und andere Stoffe ablösen können). Lochgestein ist ebenfalls nicht gut geeignet, da es aus Kalk besteht und das Wasser aufhärtet. Man kann zudem Höhlen selber herstellen (z.B. aus Kokosnüssen) oder auch kaufen. Kampffische mögen Liegeplätze in der Nähe der Oberfläche, da sie regelmäßig zum Atmen auftsteigen müssen. Dazu eignen sich zum Beispiel kleine bepflanzte Töpfchen oder Äste mit Saugnapf. Eine Low-Budget-Möglichkeit wäre einen Lockenwickler mit Moos zu umwickeln. Dieser schwimmt an der Oberfläche oder kann ebenfalls per Saugnapf an der Scheibe befestigt werden. Auf künstliche bzw. bemalte Dekoration würde ich komplett verzichten, da auch sie leider immer Risiken bergen. Wenn man unbedingt künstliche Dekoration einsetzen möchte, empfehle ich unbedingt diese mit Epoxydharz zusätzlich zu versiegeln.


Einrichtungsbeispiele:

30L Dennerle-Cubes, in denen ich Kampffische gehalten habe

Abdeckung: Die meisten Halter empfehlen eine Abdeckung, da Kampffische bekannt für’s Springen sind. Mir persönlich ist das bisher nur bei Wildformen passiert, aber auch bei Hochzuchten soll es schon vorgekommen sein. Eine Abdeckung hat allerdings noch weitere Vorteile: Sie verhindert, dass zu viel Wasser verdunstet und sie sorgt dafür, dass die Luft über dem Wasser (welche für den Kampffisch wichtig ist) eine ähnliche Temperatur wie das Wasser hat. Ob man es glaubt oder nicht: bei Labyrinthfischen soll es schon zu Erkältungen gekommen sein. Wenn das gekaufte Aquarium nicht bereits mit einer Abdeckung kommt, kann man diese sich leicht anfertigen lassen (z.B. bei Plexihandel) oder auch eine Scheibe aus einem Bilderrahmen zweckentfremden.


Futter: Kampffische sind carnivor und sollten entsprechend ernährt werden. Optimal ist Lebendfutter (Artemia, Mückenlarven, Tubifex etc...). Dieses kann in jedem gut sortierten Laden (im Kühlschrank) gefunden werden oder auch online bestellt werden (bei Facebook ist Dominic Heidorn eine gute Anlaufstelle für Lebendfutterlieferungen). Wenn man einen Balkon oder Garten hat, kann man dieses auch in einer Regentonne selbst abfischen. Alternativ kann man auch auf Frostfutter zurückgegriffen werden. Diese kann man auch im Sortenmix kaufen. Da gibt es allerdings immer Berichte, dass Parasiten mit eingeschleppt wurden, welche zu epidemischen Todesfällen führten. Mir ist dergleiches in 11 Jahren allerdings noch nicht passiert. Eine weitere ergänzende Möglichkeit sind hochwertige Granulate wie Söll, Dr. Bassleer oder Atisons Betta Food. Wichtig ist, dass dieses einen hohen Fleischanteil hat. Auf Flockenfutter sollte aus diesem Grund komplett verzichtet werden (auch wenn Betta drauf steht, Stichwort: Marketingstrategie).

Vergesellschaftung: Wie oben bereits erwähnt, ist die Einzelhaltung (also ohne andere Fische) immer der ideale Weg. Literatur (wie auch die Kampffischfibel von Peter Bärwald) betonen dies, bieten aber auch oft Alternativen an. Oft wird gesagt, dass die Vergesellschaftung mit ruhigen Fischen (wie Dornaugen, Zwerggouramis oder kleinen Bärblingen) möglich ist. Da Kampffische Charaktertiere sind, mag das in manchen Fällen “gut gehen”, aber ich möchte betonen, dass es schwierig ist, zu sehen, ob ein Fisch sich wohl fühlt oder nicht. Ein anderer Grund, der in meinen Augen wichtig ist, dass die meisten empfohlenen Tiere eine andere Diät brauchen oder nachtaktiv sind, was den tagaktiven Kampffisch stören kann. Aufgrund der Züchtung und der Revierbezogenheit werden andere Tiere meistens als Eindringling empfunden. Demnach ist meine Empfehlung eindeutig die Einzelhaltung! Schnecken und Garnelen sind die einzigen Tiere, die ich als Mitbewohner als geeignet nennen kann, wobei es Ausnahmen gibt (einer meiner Kampffische fühlte sich sogar von Schnecken gestört und hat diese permanent angeprollt ) und beides im schlimmsten Fall als Futter enden könnte. Ob es klappt, oder nicht, muss man demnach selbst ausprobieren.


Wasserpflege: Auch hier spalten sich die Geister. Meiner Erfahrung nach pflegen sich die Tiere in sauberem Wasser leichter, daher ich empfehle ich alle 1-2 Wochen einen Wasserwechsel von ca. 30-50%. In der Regel kann Frischwasser nie schaden. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Trinkwasser nicht belastet ist. Viele Krankheiten sind leider auf schlechte Wasserhygiene zurückzuführen. Daher lieber ein mal zu viel wechseln als ein mal zu wenig.

Sollte etwas fehlen oder ihr noch Fragen haben, bitte einfach in die Kommentare schreiben.


Crowntail (Marble)

#betta #bettasplendens #kampffisch #haltung #info

673 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen