• Shey

Betta-Zucht

Aktualisiert: 26. Sept 2019

Eines der immer wiederkehrenden Thema in der Betta-Community ist die Zucht. Leider gibt es viele Menschen, die sich das zu einfach vorstellen. Man liest Beiträge, wo Pärchen oder Harems zusammen gehalten werden und oft liest man so etwas wie “Ich möchte nur ein mal Babies haben, danach trenne ich sie”. In diesen Fällen wird die Komplexität und Schwierigkeit einer erfolgreichen Zucht unterschätzt. Ich selbst bin bisher daran gescheitert meine Zuchtpläne zu erfüllen (weil es für meine Lebenssituation nicht die richtige Entscheidung ist), verfüge aber über das nötige Wissen und möchte daher etwas darüber aufklären und Tipps geben, WANN eine Zucht sinnvoll ist.


Was muss ich wissen?


Es ist leider nicht wie bei anderen Fischen, wo man einfach Männchen und Weibchen zusammensetzt und schaut, was passiert. Durch die selektive Zucht in der Geschichte der Bettas, sind die Hochzuchten aggressiver und es kann zu massiven Verletzungen oder gar zum Tod der Tiere führen, wenn man nicht weiß, was man tut. Daher ist es unerlässlich sich ausführlich in die Thematik einzulesen. Dies sind einige Punkte, in denen man firm sein sollte:

  • Geschichte der Hochzucht/Lebensweise im Heimatbiotop

  • Allgemeine Haltung der Hochzucht und ihre Besonderheiten

  • Anatomie der Fische/Geschlechter/Flossenformen

  • Paarungsverhalten/Lebenszyklus/Aufwuchs

  • Allgemeine Genetik (Mendel’sche Regeln etc.)

  • Spezifische Genetik der Kampffische/Vererbungslehre

  • Krankheiten

  • Futtertierzucht

  • Wasserchemie/hygiene

Sofern diese Themen nicht sitzen, rate ich dringend davon ab Verpaarungen zu starten. Da man die Verantwortung für die Fische trägt, sollte man sich bewusst machen wie viel Theorie im Hintergrund steht, denn diese ist essentiell für die Gesundheit der Tiere (so lernt man zum Beispiel, dass die Verpaarung DT x DT zu verkrüppelten Wirbelsäulen führen kann).


Was brauche ich?


Natürlich fängt jeder klein an und nicht jeder baut sich sofort eine voll ausgestattete Zuchtanlage. Man kann auch minimal starten, schon klar, doch die Theorie bleibt die Gleiche. Das Ausmaß für eine Zuchtanlage bleibt einem selbst überlassen. Als Beispiel nehme ich meine “Mini-Anlage”, so wie sie geplant war. Zu meiner Ausstattung gehörte folgendes:

  • Schwerlastregale für die Aquarien (Menge und Größe richtet sich nach Umfang)

  • Einzelaquarien für die Zuchttiere (kommt auf die Menge an, ich hatte 28x12L)

  • Sepas (mind. 100 Stück, je nach Größe der Würfe und Menge der Verpaarungen auch mehr)

  • Brutschrank (für die Sepas, da nicht der gesamte Raum beheizt werden konnte)

  • Aufzuchtbecken (105L)

  • Verpaarungsbecken (12-25L)

  • Lebendfutterzucht (Artemia oder ähnliches)

Der Brutschrank bestand aus einem Billy-Regal mit Glastüren, auf dessen Rückwand ich ein Heizkabel angebracht und per Thermostat gesteuert habe. Je nach eigener Situation muss man sich also überlegen, wie man die Sepas beheizt. Ideal wäre natürlich ein eigener Raum, der komplett beheizt wird, sodass man sich einiges an Strom sparen kann. Täuscht euch aber nicht: es ist ein teures Hobby!Und da kommen wir zum nächsten Punkt: Geld! Man braucht recht viel Geld. Denn das Equipment und die Pflege kosten ziemlich viel. Wer sich unsicher über die Kosten seiner Aquarien ist, kann sich einen Strommesser besorgen und an die Leitung hängen. Ein einzelnes 200L-Aquarium kostet je nach Technik bereits 150-200€ im Jahr. Was so eine Anlage kostet, kann man sich demnach hochrechnen. Man darf sich auch nicht einbilden, dass man mit der Zucht viel einnehmen kann: ganz im Gegenteil. Man zahlt immer drauf. Es ist also nicht lukrativ, sondern nur sinnvoll, wenn man einfach mit Herzblut drin steckt und einem Profit nicht wichtig ist.Zu guter Letzt: Zeit! Alleine für das mittlere Regal habe ich 2 Stunden beim Wasserwechsel gebraucht. Das war bereits ein Punkt für mich, dass eine Zucht gerade nicht in mein Leben passt, denn das Wechseln von vielen kleinen Behältern kostet wesentlich mehr Zeit, als das Wechseln von mehreren großen Behältern. Bei meinen großen Aquarien habe ich in Vergangenheit dazu geneigt einfach aufzufüllen bzw. nur minimale Mengen zu wechseln. Das lief immer problemlos. Bei den 12L-Pfützen ist das nicht möglich. Das Wasser kippt viel schneller, somit müssen wesentlich größere Mengen gewechselt werden und das kostet Zeit und Muskel-Power.


Zuchtfische aussuchen und verpaaren


Hat man sich nun also dazu entschieden zu züchten und hat alles nötige besorgt und alle Theorie gepaukt, kann es ans Züchten gehen. Dazu braucht man natürlich erst mal die passenden Fische. Man muss sich also Gedanken darüber machen, welche Flossenform man züchten möchte und wohin es gehen soll. Dazu gibt es viel zu sagen, aber das würde den Rahmen eines solchen Dokuments sprengen. Hier ist also eure Eigenitiative gefragt. Wer sich gut eingelesen hat und auch die Standards der Zucht kennt (IBC oder Bettas4all), der weiß worauf zu achten ist: gute Topline, ausgewogene Flossen, kräftiger Körper etc... Woher man die Fische bezieht, bleibt einem ebenfalls überlassen: viele Züchter starten mit Importen, aber auch deutsche Nachzuchten sind - je nach Züchter - super für den Zuchteinstieg geeignet.Hat man das geeignete Pärchen, kann man starten. Bevor es losgeht, sollten die Tiere konditioniert werden. Hier gibt es viele Methoden. Ich nenne nur eine, die ich angewendet hätte: die Tiere werden 2 Wochen lang intensiv angefüttert (täglich Lebendfutter). Das sorgt dafür, dass sie gesättigt und stark sind, also viel Energie haben, aber hält sie davon ab die Eier zu fressen oder übermäßig aggressiv zu sein (im Idealfall). Dann wird das Zuchtbecken vorbereitet: dazu eignet sich ein 12-25L Cleanbecken. Rein kommen Heizung, evtl. Filterung (babysicher), evtl. Sud (gegen Verpilzung und auch als Trübung, sorgt für Sichtschutz), eine Bauhilfe (z.B. ein SMBB-Blatt oder ein Stück Styropor mit Aushöhlung) für das Nest. Das Männchen wird zuerst eingesetzt. Nach etwas Eingewöhnung wird dann das Weibchen in einer abgeschnittenen Flasche mit ins Becken gesetzt, also so, dass sie sich sehen aber nicht erreichen können. Beide sollten nun Interesse aneinander zeigen. Im Idealfall fängt das Männchen an zu balzen und baut ein Schaumnest. Das Weibchen zeigt seine Bereitschaft durch vertikale Laichstreifen. Bei helleren Farbformen ist das oft nicht sichtbar, dafür sieht man bei diesen aber oft die Eier im Bauch. Ein weiterer Indikator für die Bereitschaft ist, wenn das Männchen versucht das Weibchen unter das Nest zu locken. Wenn das Weibchen die Bereitschaft zeigt mitzuschwimmen, ist es Zeit die Flasche zu entfernen.

Jetzt heißt es aufpassen: Ab hier kann auch alles schief gehen. Die Stimmung bei Kampffischen kann innerhalb Sekunden kippen. Im Idealfall würde das Männchen das Weibchen nun unter das Nest locken und versuchen sich zu paaren. Dabei wickelt er sich um das Weibchen, welches in eine Art Starre fällt. Während sie die Eier entlässt, besamt er die Eier im Wasser (unsichtbar). Dann löst er sich von dem Weibchen und sammelt die Eier mit dem Maul auf, um sie dann in die Schaumblasen im Nest zu spucken. Dieser Vorgang wird oft mehrmals wiederholt. Nach der Paarung verjagen die Männchen die Weibchen, um die Brutpflege zu betreiben. Das Weibchen sollte dann also aus dem Becken entfernt werden.In ein paar Tagen schlüpfen die Babies. Das Männchen sorgt dafür, dass sie an der Oberfläche bleiben und sammelt verlorengegangene Babies ein. In den ersten Tagen brauchen die Babies kein Futter, da sie sich von ihrem Dotter ernähren. Hier sollte man also gut beobachten, um den richtigen Zeitpunkt zur Fütterung zu erkennen.Als Startfutter für Babies eignen sich Artemia-Nauplien, oder wenn man noch kleiner starten will: Essigälchen oder Mikrowürmer. Anleitungen zur Zucht findet man im Netz.Viele Züchter entfernen das Männchen, sobald die Babies freischwimmen. In Asien werden die Väter oft monatelang bei den Babies gelassen. Wie man es macht, bleibt einem selbst überlassen, allerdings muss man beachten, dass der Vater recht schnell zugefüttert werden muss, da man sonst Gefahr läuft, dass er die Babies frisst.Die Babies können die ersten Wochen im Zuchtbecken verbringen. Besonders am Anfang muss man jedoch aufpassen, dass man regelmäßig Wasser wechselt (ohne Babies einzusaugen), damit das Wasser nicht kippt. Wenn die Babies einige Wochen alt sind, kann man sie dann in ein größeres Aufzuchtbecken setzen. Dort verbleiben sie, bis sich die Geschlechter herausstellen und die ersten Pöbler erkennbar sind. Die müssen dann rechtzeitig separiert werden, bevor es zu Verletzungen kommt.Ein wichtiges Thema ist hier auch die Selektion: man kann bereits sehr früh anfangen die Tiere zu selektieren. Alle Fische mit sichtbaren Anomalien wie Wirbelsäulenverkrümmungen etc. sollten selektiert und nicht weiter aufgezogen werden. Man muss sich also überlegen wohin mit diesen Tieren!? Die meisten Züchter haben einen Räuber zu Hause, an den sie diese Tiere verfüttern (z.B. Skalare (für Babies) oder Channa (für größere Fische)). Der Tod gehört also dazu. Wer sich nicht in der Lage fühlt Fische zu töten/verfüttern, sollte sich also Gedanken machen, ob das wirklich das Richtige für ihn/sie ist.

Die Jungtiere sind anfangs farblos und zeigen oft Querstreifen (bei Erwachsenen auch als Stressstreifen bekannt). Diese Färbung weicht später der adulten Färbung. Bei den Sepas muss regelmäßig das komplette Wasser gewechselt werden. Man sollte sich also überlegen, wie und wo man das macht. Es erfordert also etwas Übung die effizienteste Technik zu finden. Für fortgeschrittene Anlagen gibt es so etwas wie Drip-Systeme. Die haben allerdings auch ein paar Nachteile (Kreuz-Kontamination). Daher sollte man sich dazu individuell einlesen. Mit etwa 3-4 Monaten sind die Kampffische adult. Ab ca. 3cm Körperlänge sind sie bereit an Shows teilzunehmen oder verkauft zu werden.


Fazit


Wir ihr also seht, ist das ein ziemlich großes Unterfangen und die Entscheidung zur Zucht sollte nicht leichtfertig gefällt werden. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den relevanten Themen und eine grobe Zusammenfassung. Es soll weniger als Anleitung dienen, sondern mehr als Hilfestellung zur Frage, ob die Zucht überhaupt das Richtige für euch ist, oder nicht. Ich empfehle wie immer die Betta Bible von Dr. Martin Brammah, wo sehr viel zur Genetik und Zucht erklärt wird. Ein besseres Buch wird man leider nicht finden (ist auf Englisch). Ansonsten gibt es haufenweise Gruppen/Züchter online, mit denen man sich austauschen kann. Viele davon findet ihr in den Dateien.


Ein zueinander passendes Veiltail-Paar

#zucht #verpaarung #anlage #genetik

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