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Oodinium: ja oder nein?

Oodinium (Samtkrankheit) ist leider eine der Krankheiten, über die man sich in der Kampffischszene teilweise sehr uneinig ist. Leider werden aufgrund von wenig differenzierten Pauschalaussagen Fische oft frühzeitig/falsch mit dieser Krankheit diagnostiziert, womöglich dann noch falsch behandelt und im schlimmsten Fall sterben sie, sehr zum Verwundern der Betroffenen, da sie ja nach eigenem Empfinden alles richtig gemacht haben.


Die Krankheit wird aufgrund der büschelartigen Bewuchse auf dem Fisch gerne mit Ichtyo (Weißbüschelkrankheit) verwechselt. Der Unterschied ist in der Farbe erkennbar. Ichtyo zeichnet sich nur weiße, kleine, abgrenzbare, herausstehende Punkte aus, während Oodinium ein goldschimmernder, samtiger Belag aus kleinen, oft verbundenen Büscheln ist. Dieser Belag ist allerdings ein recht ausgeprägtes und eher spätes Stadium der Krankheit bzw. des Befalls. Bei Oodinium handelt es sich nämlich um Parasiten der Familie der Dinoflagellaten. Es ist bekannt, dass Flossenklemmen ein häufiger Indikator für einen solchen Befall ist. Allerdings wird es gerne auch als alleinstehender Indikator gesehen, was nicht richtig ist, da Flossenklemmen generell erst mal nur das Unwohlsein des Fisches zeigt. Ein Fisch, der Oodinium hat, kann also die Flossen klemmen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Fisch, der die Flossen klemmt, automatisch Oodinium hat. Es gibt viele andere Ursachen, die dafür ebenfalls verantwortlich sein können.



Kampffisch mit Oodinium. Die Büschel sind besonders an den Brustflossen gut zu sehen.

Quelle: http://bettahut.blogspot.com/2011/03/velvet-oodinium.html



Hinzu kommt, dass die farbliche Eigenschaft von Kampffischen mit Metallic-Genen ebenfalls dazu führt, dass die Krankheit verwechselt wird. “Hat der Fisch einen goldenen Schimmer, dann hat er Oodinium” sind häufige Aussagen in diesem Zusammenhang. Das stimmt aber auch nicht ganz. Ein Fisch mit Metallic-Genen, der die Flossen klemmt, kann so mit Oodinium diagnostiziert werden, obwohl er es nicht hat. Auch der Aspekt des Marblens muss mit einbezogen werden: Fische mit Marble-Genen können in ihrem Leben mehrfach die Farben wechseln. So können auch Dragon-Gene aktiviert und deaktiviert werden. Ein Fisch, der also mal geschimmert hat, kann plötzlich matt werden und umgekehrt. Es muss also eindeutig geklärt werden, ob es bei dem goldenen Schimmer eventuell gar nicht um eine ungewöhnliche Erscheinung geht.

Zum Vergleich hier ein mal ein Fisch mit extremen Metallic-Schimmer und dem damit eingehenden Problem des Alien-Eyes. Der Fisch schimmert gleichmäßig und über den gesamten Körper verteilt. Es gibt keine hervorstehenden Büschel. Der Schimmer liegt IN der oberen Schuppenschicht.


Fisch mit Metallic-Genen und Alien Eye (KEIN Oodinium)

Vergleicht man dies mit einem echten Fall von Oodinium, ist der Unterschied doch deutlich sichtbar. Der Belag mit Oodinium ist ungleichmäßig und zeichnet sich durch kleine hervorstehende Büschel aus, die zum Teil aber nicht vollständig miteinander verbunden sind.


Fisch mit starkem Oodinium-Befall

Man muss also sehr nah ran gehen, um diesen Unterschied wirklich auszumachen. Scharfe Nahaufnahmen sind unerlässlich, um eine treffende Diagnose zu stellen. Ferndiagnosen ohne eine solche Grundlage sind fahrlässig und undseriös seitens der “Beratenden”.


Sollte der Fisch tatsächlich Oodinium haben, so sollte er mit einem entsprechenden Präparat behandelt werden (z.B. sera Omnipur S oder andere Mittel gegen Oodinium/Dinoflagellaten). Man muss sich aber darüber bewusst sein, dass die Krankheit erst eindeutig diagnostizierbar ist, wenn sie recht weit fortgeschritten ist, weswegen man meist zu Breitbandmedikamenten wie Omnipur greift, um möglichst viele mögliche Ursachen zeitgleich anzukämpfen.

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